ROLLO
Fenster - Arbeit - Leerstand
Drei Rollos, drei Bilder. Im öffentlichen Raum ausgestellt und für alle Interessierten zugänglich – wer vom (kleinen) Hunger auf Kunst gepackt wird, der/die kann diesen Hunger in der Marktstraße 57, Dornbirn, stillen.
Die Bilder, die auf den Rollos zu sehen sind, sind von den Erwachsenen, die in den Räumen dahinter arbeiten, mit ihren Kindern gezeichnet, und in pflanzlichen Farben per Siebdruck gedruckt. Sie sind der Auftakt einer Ausstellungsreihe, die das Thema der Unsichtbarkeit aufgreift – ganz konkret: die pflanzlichen Farben werden im Sonnenlicht verblassen. Wenn die Bilder unsichtbar geworden sind, werden drei weitere Künstler*innen eingeladen, mit (ihren) Kindern Bilder für die nächste Ausstellung zu gestalten. Dann wird neu gedruckt, auf die selben Rollos, die jeden Tag die Räume hinter ihnen sichtbar und wieder unsichtbar machen, wenn sie aufgezogen und wieder heruntergelassen werden.
Durch diese Arbeitsweise thematisiert das Projekt Rollo Verbindungen zwischen Sorgearbeit - also allen Tätigkeiten, die notwendig sind, um für kleine und große Andere zu sorgen - auf der einen Seite; und Leerstand auf der anderen Seite – also dem Problem, dass immer mehr Geschäftslokale in Ortszentren leer stehen und Lücken in unsere räumliche Nahversorgungen auftun.
In der Dornbirner Innenstadt stehen – verglichen mit anderen Städten und kleineren Gemeinden – nicht viele Geschäftsflächen leer (ca. 6%). Es gibt immer wieder neue Lokale und Geschäfte, die öffnen und ältere die schließen. Und doch scheinen einige Leerstände und Baustellen länger zu dauern und sind im Stadtbild durch stumpfe Fenster, alte aufgeklebte Plakate oder überwachsene Bauzäune sichtbar. Gleich daneben, aufgedonnerte Schaufenster. Sie sind Anzeichen der eigentlichen Herausforderung in Dornbirn: die teuren Mieten (um die 30€/m2 kalt) lassen kaum Raum zum Ausprobieren, zum Experimentieren, und sind vor allem für größere Unternehmen, oder internationale Ketten leistbar. So entwickelt sich eine Innenstadt, die ihre Relevanz für das Alltagsleben der Menschen in Dornbirn verliert und viel eher als Flaniermeile interessant wird. Kreative und soziale Initiativen, die einen geschützten Rahmen brauchen, um Fuß zu fassen, finden Zugang zu Immobilien durch private Kontakte und Zugeständnisse der Vermieter*innen, oder im unsichtbaren Stadtrand, in der Peripherie. Somit werden auch im Dornbirner Stadtzentrum bestimmte Formen von Arbeit unsichtbar.
Leerstand und Arbeit - beide Themen stehen direkt in Verbindung mit der Frage, wie wir uns selbst, und diejenigen für die wir Sorge tragen, versorgen wollen: wer übernimmt dabei welche Verantwortungen, und führt welche Tätigkeiten wo aus? Welche Tätigkeiten, die für unsere Versorgung notwendig sind, werden als "Arbeit" verstanden, welche nicht? Welchen Platz hat da Elternschaft und künstlerisches Schaffen? Wo wollen wir diesen Arbeiten nachgehen – Zuhause, in unseren privaten vier Wänden, oder in Räumen, die wir mit anderen teilen? Wem oder was sollen leerstehende Räume in Dornbirn wofür Platz bieten?
Projektleitung
- Christine Katscher und Katrin Kremmel
Kooperationspartner*innen
- Druckwerk Lustenau
- Dirt Society